Webdoku

Lemony Snicket’s You Choose the Mystery

Ein schönes Beispiel, wie man – ohne großen Aufwand an Programmierung und Hosting – vorhandene Strukturen (i.d.F. YouTube) nutzen kann um originell interaktiv zu erzählen bietet das Video Adventure Lemony Snicket’s You Choose the Mystery.

Anhand einer wilden Collage von 1950er Film noir S/W-Filmmaterial und einer neuen Tonspur wird die Geschichte eines Gonzo-Privatdetektivs erzählt. Der Trailer ist rasant und amüsant erzählt und die grafischen Elemente greifen elegant das production design auf. Die Schwelle zum Einstieg in das Mystery Adventure ist sehr niedrig, so dass die User mitten im Abenteuer sind, bevor sie auch nur »bookmark« denken können.


You Choose the Mystery ist eine clevere Marketing-Aktion für die All The Wrong Question’s Bücher von Lemony Snicket aka Daniel Handler. Die potentielle Aufdringlichkeit von In-YouTube-Verkaufslinks wird dabei clever konterkariert indem die Links schon im Trailer penetrant als genretypisches Product Placement angekündigt werden.

Auch die Website nimmt das 1950er-Jahre Advertising augenzwinkernd auf.

Insgesamt ist You Choose the Mystery ein schönes Beispiel für ein interaktives Video Adventure aus einem Guß, das mit begrenzten Mitteln aber viel Kreativität realisiert wurde. Natürlich darf man keine bahnbrechende erzählerische Struktur erwarten, aber manchmal ist weniger tatsächlich mehr.

Everyday Rebellion

Das Berliner Gestaltungs- und Kommunikationsbüro Plural konzipierte zusammen mit den Regisseuren Arash und Arman T. Riahi die Crossmedia-Plattform Everyday Rebellion, auf der kreativer Protest täglich neu zelebriert wird: In Form von Videos, Fotos, Twitternachrichten und Plakatkunst – aus Damaskus, Kairo, Teheran, Kiev, Madrid oder New York.

Das Besondere an der Webplattform: Indem auf ihr immer wieder neue Protestaktionen auftauchen, erzeugt sie Aufmerksamkeit für das Anliegen des Everyday Rebellion Filmes (Kinostart war am 11. September 2014). Zudem werden interaktive Storytelling-Formate eingesetzt, die es den Nutzern ermöglichen die kreativen Protestformen aus verschiedenen Perspektiven zu erkunden. Die Crossmedia-Plattform regt dazu an sich zu informieren und politisch zu partizipieren – auch über die Laufzeit des Filmes im Kino und auf Festivals hinaus.

atterwasch.

atterwasch. – Eine Scroll-Doku von Marco del Pra‘ und Frédéric Dubois, ist ein multimediale Dokumentation des Dorfes Atterwasch, im Land Brandenburg. Die Dokumentation wird umgekehrt erzählt, bzw. man fängt in der Zukunft an und spult die Geschichte zurück in die Vergangenheit. Sie wurde von Frédéric Dubois produziert, in Koproduktion mit ARTE Future und ging am 1. Juli 2014 online. Sie ist in Deutsch, Englisch, Französisch und Polnisch unter http://atterwasch.net zugänglich.

Finanziert wurde die Scroll-Doku, die u.a. Parallax-Effekte, eine Autoplay-Funktion und ein Zusammenspiel zwischen Schwarweiß Fotografie (Marco del Pra‘) und Illustrationen (Édith Carron) bietet, durch eine Innovationsförderung des MIZ-Babelsberg. Sie wurde außerdem von der Rudolf-Augstein Stiftung unterstütz. Die restliche Finanzierung kommt von dem Koproduzenten, ARTE Future. Hannes Schulze realisierte die Tongestaltung, Jiannis Sotiropoulos von Honig Studios die Technik und Olivier Guillard (The World We Live In) das Webdesign.

atterwasch. erschien bis jetzt bei SZ.de und bei der polnischen Zeitung ‚Wszystko co najważniejsze‘.